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© 2010 Wittekindshof
Familienzentrum
Wittekindshof Gronau
Herzogstr. 58a
48599 Gronau
Tel. 02562-96448-0
Michéle, Xenia, Vorstandssprecher Pfarrer Dr. Dierk Starnitzke und die Landesbehindertenbeauftragte Angeklika Gemkow haben Familienzentrum symbolisch eröffnet.
Gronau/ Düsseldorf (AM). "Im Familienzentrum Wittekindshof sind behinderte Kinder mittendrin und werden optimal gefördert. Mit dem hier entwickelten fachübergreifenden Angebot an Betreuung, Beratung, Bildung und Förderung setzt der Wittekindshof neue Maßstäbe. Die Familien finden wohnortnah alles unter einem Dach: integrative Kindertagesstätte, Heilpädagogische Gruppe, Frühförderung, Autismus-Ambulanz, ambulante Pflege und Therapie. Das wünsche ich mir für andere Familienzentren genauso", erklärte die Landesbehindertenbeauftragte, Angelika Gemkow, bei der offiziellen Einweihung des Familienzentrum Wittekindshof in Gronau. Hansjoachim Maier vom Evangelischen Fachverband der Tageseinrichtungen für Kinder des Diakonischen Werkes Rheinland.Westfalen-Lippe betonte, dass im neuen Familienzentrum ein innovatives Konzept umgesetzt werde, dass es bisher in Nordrhein-Westfalen nicht gebe: „Bei diesem Ansatz geht es nicht um die bloße Hereinnahme von Kindern mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf oder von Kindern mit Migrationshintergrund in eine bestehende Einrichtung, sondern um das Recht aller Kinder auf eine ganzheitliche, individuelle Förderung und gesellschaftliche Teilhabe sowie soziale Wertschätzung." Statt Defizitorientierung werde die Verschiedenheit aller Kinder akzeptiert: „Für jedes Kind werden die notwendigen Ressourcen entsprechend dem Förderbedarf zur Verfügung gestellt und zwar nicht nur als Sonderrecht für einzelne, sondern als gleiches Recht für alle. Zielvorstellung ist dabei auf jede Aussonderung zu verzichten," so Hansjoachim Maier, der betonte, dass eine ständige Weiterentwicklung des Konzeptes mit allen Beteiligten und Kooperationspartnern im Sozialraum notwendig sei: „Des weiteren erfordert, es einen ‚Kompetenztransfer' und eine konzeptionelle Zusammenarbeit aller beteiligten Systeme und beschränkt sich nicht nur auf das ‚Einkaufen' einzelner Leistungen bzw. die bloße Addition verschiedener Angebote." Das integrative-inklusive Konzept des Familienzentrums Wittekindshof habe das strukturelle Ziel, konsequent die hoch spezialisierten Unterstützungs-, Förder- und Therapieangebote in einem Haus zu Komplexleistungen zusammenzuführen und Hilfsangebote für Eltern und Kindern aus einer Hand anzubieten.
Angelika Gemkow erinnerte daran, dass im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) die Förderung behinderter Kinder gesetzlich verankert sei, aber mahnt auch, dass allein die Aufnahme in eine Kindertagesstätte noch nicht ausreiche: „Nötig sind angemessene und individuelle Hilfen für jedes behinderte Kind. Wichtig ist eine kontinuierliche Förderung der Kinder in den frühen Lebensjahren. Hier werden die zentralen Weichen für die Lebenschancen der Kinder gestellt," betonte Angelika Gemkow.
Hansjoachim Maier hob den dramatisch gestiegen pädagogischen und therapeutischen Förder- und Unterstützungsbedarf bei Kindern in den Tageseinrichtungen hervor: im Bereich des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe besuchten zurzeit 8.000 Kinder eine Tagesförderstätte, deren Förderbedarf durch eine Behinderung eine drohende Behinderung anerkannt sei, erhöhten Förderbedarf hätten nach Untersuchungen von Professor Hurrelmann an der Universität Bielefeld 10-20 Prozent eines Jahrgangs und bei den Sprachstandsfeststellungen in NRW seien 23 Prozent aller Kinder auffällig gewesen. „Integration und Inklusion ist vorrangig eine Frage des pädagogischen Bewusstseins, Integration muss in den Köpfen beginnen, desto früher, desto besser", so Hansjoachim Maier.
Hintergrund: Das integrative Familienzentrum Wittekindshof in Gronau
Das Familienzentrum Wittekindshof wurde von der „Stiftung Oikos - Menschen Heimat geben" nach den Wünschen der zukünftigen Mieter, der integrativen Kindertagesstätte und Frühförderung Wittekindshof sowie dem DRK-Kreisverband Borken, in siebenmonatiger Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Erlöserkirche errichtet. Im Untergeschoss bietet es Platz für fünf Gruppen der Kindertagesstätte mit insgesamt 89 Kindern (eine Heilpädagogische Gruppe für neun Kinder mit Behinderungen und Entwicklungsverzögerungen und vier integrative Gruppen für bis zu 25 Kinder mit und ohne Bebhinderungen und Entwicklungsverzögerungen). Im Obergeschoss richtet das DRK Praxisräume für Logopädie, Physio- und Ergotherapie ein und bietet Autismusspezifische Förderangebote an. Gemeinsam genutzt werden können ein Wassererlebnisraum, ein Snozelenraum und die Turnhalle. Direkt angeschlossen ist eine Krippengruppe für zehn Kinder zwischen null und drei Jahren mit und ohne Behinderungen.
Das Familienzentrum Wittekindshof basiert auf dem Zusammenschluss des Heilpädagogischen Kindergartens DIE ARCHE in Ahaus-Alstätte und dem Kindergarten an der ehemaligen Erlöserkirche in Gronau. Noch in den alten Gebäuden wurden Betreuungs-, Beratungs-, Gruppen- und Informationsangeboten für die ganze Familie entwickelt, so das die Einrichtung als Familienzentrum NRW zertifiziert wurde. Mit dem Programm will die Landesregierung bis 2012 landesweit 3.000 Kindertagesstätten zu Familienzentren weiterentwickeln, um die Erziehungskompetenz der Eltern zu stärken und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Sozialraumorientierung heißt für das Familienzentrum Wittekindshof die Bedürfnisse von Familien mit Migrationshintergrund, deren Anteil im unmittelbaren Umfeld Gronauer Westen sehr hoch ist, und gleichzeitig die Bedürfni sse von Familien mit Kindern mit Behinderungen oder Entwicklungsverzögerungen aus Gronau und Umgebung zu berücksichtigen. „Dieses neue Haus, das Familienzentrum Wittekindshof, soll ein Ort sein, an dem sich Kinder mit ihren Familien wohl fühlen, egal ob das Kind die Frühförderung, die Kindertagesstätte oder die Therapiepraxis besucht. Unser Haus soll ein offenes Haus sein, in dem jedes Kind mit seiner Familie willkommen ist und mit seinen individuellen Bedürfnissen angenommen wird. Wir wollen nicht zwischen behinderten und nicht-behinderten Kindern, deutschen Kindern und Kindern mit Zwanderungsgeschichte unterscheiden," so Sabine Niermann, die Leiterin des Familienzentrums Wittekindshof.